Fachkonferenz

Klimalandschafts-Forum 3

Gemeinsam den Landkreis Wolfenbüttel als Klimalandschaft mit Agroforst gestalten

Beim Klimalandschafts-Forum 3 waren wir diesmal zu Gast im ersten Fokusgebiet des Landkreises. Landkreisweit kamen engagierte Akteur:innen aus Landwirtschaft, Kommunen, Wasserwirtschaft, Naturschutz, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um gemeinsam mit Einwohner:innen der Region ‘Oderwald’ weiterzuarbeiten: an Lösungen für Wasserrückhalt, Bodenschutz, Biodiversität und neue regionale Wertschöpfung.

In den sechs Werkräumen Wasser – Boden – Pflanzen – Tiere – Wertschöpfung – Menschen wurde  konzentriert und kokreativ zusammengearbeitet, aus Fachimpulsen Szenarien entwickelt, Handlungspfade abgeleitet und die verschiedenen Themenfelder zum Ende des Tages wieder im Plenum zusammenführt. Dabei ging es diesmal noch stärker um die Frage, wie aus Erkenntnissen, Pilotprojekten und ersten Kooperationen konkrete regionale Entwicklungsrichtungen aufgebaut werden können.

Die sechs Werkräume im Überblick

Wasser
Aus einer bereits vorab zusammengestellten breiten Potenziallandschaft wurden vier konkrete Handlungsfelder vorbereitet und in vier parallel arbeitenden Kleingruppen vertieft. In den Fokus genommen wurden dabei „Vernetzung“, „Beratungs- und Wirkungssysteme“, „Datenerhebung und Wirkungsnachweise“, „Maßnahmenvielfalt und Blueing-Pakete“ sowie „Pilotprojekte und Direktverträge“.

Im gemeinsamen Austausch wurde deutlich, dass die Sicherung des Landschaftswasserhaushalts nur als kooperative Gemeinschaftsaufgabe gelingen kann. Im Mittelpunkt stand daher nicht die Entwicklung weiterer Einzelmaßnahmen, sondern die Frage, wie die Vielzahl bereits bestehender Ansätze, Akteure und Instrumente zu einem regionalen Handlungssystem zusammengeführt werden kann.

Diskutiert wurden regionale Beratungs- und Wirkungsnetzwerke, gemeinsame zeitnahe Datenerhebung und Monitoring, die Weiterentwicklung, Bündelung und Optimierung bestehender Maßnahmenkataloge sowie ein nächstes Pilotprojekte entlang der Okerauen. Ein besonderer Fokus lag darauf, Erfolge zeitnah besser messbar zu machen, um Maßnahmen gezielt weiterzuentwickeln und daraus neue Finanzierungs- und Kooperationsmodelle – etwa im Kontext eines Wasser-Cent – abzuleiten.

Als gemeinsames Zukunftsbild zeichnet sich das Bild einer regionalen Wasser-Allianz ab, die Wasserrückhalt, Biodiversität, Landwirtschaft und regionale Wertschöpfung systematisch miteinander verbindet. Ein wichtiger und zeitgemäßer Ansatz, um den Landschaftswasserhaushalt künftig gemeinsam, wirksam und langfristig zu stärken.

Boden
Im Werkraum Boden standen strategische Hebel wie die öffentliche Flächenvergabe, produktionsintegrierte Kompensation, Ökopunkte, Flurneuordnung und Raumvisionen im Mittelpunkt. Gemeinsam wurde ausgelotet, wie Boden-, Wasser- und Biodiversitätsschutz stärker in langfristige Flächenentwicklungen integriert werden können.Die vielschichtigen Zwischenergebnisse zeigen beispielsweise, dass Kompensationsprojekte mit produktionsintegriertem Agroforst eine vielversprechende Möglichkeit für Pilotvorhaben im Landkreis darstellen könnten, um neue Bewertungsstandards zu entwickeln. Solche Projekte sind jedoch komplex und erfordern eine engagierte Projektentwicklung.Ein weiteres Ergebnis des Workshops ist die Empfehlung, die Pächter kreiseigener Flächen darüber zu informieren, dass Agroforstsysteme auf diesen Flächen ausdrücklich erwünscht sind. Zudem sollte der Landkreis prüfen, ob die Einleitung eines Flurneuordnungsverfahrens mit dem Schwerpunkt Klimaanpassung als auslösender Faktor sinnvoll und umsetzbar ist.

Pflanzen
Im Werkraum Pflanzen stand der Aufbau tragfähiger Pflege-, Ernte- und Dienstleistungsstrukturen rund um Agroforstsysteme im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Landwirtschaft, Dienstleistern und regionalen Partnern wurden Modelle entwickelt, wie Pflege und Ernte langfristig organisiert und skaliert werden können.

Tiere
Der Werkraum Tiere wurde vor dem Forum auf einen digitalen und dezentralen Pfad umgelegt. Das Thema "Hühnerwald" wird von vielen Landwirten positiv aufgegriffen. Daher werden weitere Handlungsstränge nicht auf dem Forum, sondern einzeln und somit effizient verfolgt.

Wertschöpfung / Wärmewende
Zu Beginn des Workshops wurde den Teilnehmenden der aktuelle Stand des Projekts vorgestellt. Isabelle Frenzel berichtete vom zuvor online durchgeführten Stakeholder-Meeting und ordnete dieses in den Projektkontext ein. Im Anschluss stellte Stefan Schreiber seine Erfahrungen und Tätigkeiten als Agroforstlandwirt und Betreiber eines Nahwärmenetzes vor. Die praxisnahe Präsentation bot wertvolle Einblicke in die Umsetzung und den Betrieb von Nahwärmenetzen und bildete die Grundlage für eine lebhafte und konstruktive Diskussion. Dabei wurden sowohl praktische Herausforderungen als auch Erfolgsfaktoren aus der Umsetzung intensiv diskutiert und in die weitere Arbeit eingebracht.Im anschließenden interaktiven Werkraum lag der Fokus auf der Frage, wie Prozesse angestoßen werden können, um Nahwärmenetze auf Basis regionaler Biomasse aus Agroforstsystemen zu etablieren. Dabei wurde deutlich, dass die technischen Voraussetzungen vielfach vorhanden sind, die größten Herausforderungen jedoch in der Organisation, Vernetzung und praktischen Umsetzung liegen.Eine zentrale Rolle wurde den Kommunen zugeschrieben. Sie können durch Informationsveranstaltungen, die Vernetzung relevanter Akteure sowie die Identifikation potenzieller Ankerkunden wichtige Impulse für die Entwicklung von Nahwärmenetzen geben. Gleichzeitig bestand Einigkeit darüber, dass die Zusammenarbeit zwischen Kommunen und weiteren Akteuren auf Landkreisebene intensiviert werden sollte, um Synergien besser zu nutzen und Prozesse zu beschleunigen. Klare Zuständigkeiten innerhalb der Verwaltung sowie eine enge Abstimmung zwischen politischer und administrativer Ebene wurden als wesentliche Erfolgsfaktoren benannt.Ein weiteres zentrales Ergebnis war der Bedarf an praxisnahen Hilfestellungen für die Initiierung entsprechender Projekte. Diskutiert wurde die Entwicklung eines Leitfadens beziehungsweise einer Handreichung mit Checklisten, Ansprechpartnern, Informationen zu Fördermöglichkeiten, geeigneten Flächen sowie Beispielen erfolgreicher Umsetzungen von Nahwärmenetzen.Als wichtige Umsetzungspartner wurden insbesondere landwirtschaftliche Betriebe identifiziert. Aufgrund ihrer regionalen Verankerung, ihrer Flächenverfügbarkeit und des Vertrauens vor Ort bieten sie gute Voraussetzungen für den Betrieb von Nahwärmenetzen und die Bereitstellung von Holzbrennstoffen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass in vielen Bereichen – beispielsweise hinsichtlich technischer, organisatorischer und wirtschaftlicher Fragestellungen – zusätzlicher Qualifizierungs- und Beratungsbedarf besteht.Darüber hinaus wurde die Bedeutung geeigneter Flächen für die Rohstofferzeugung hervorgehoben. Die im Projekt erarbeiteten Potenzialkarten stellen hierfür eine wichtige Grundlage dar. Gleichzeitig wurden weitere Flächenpotenziale, etwa in kommunalen Bereichen oder im Privatwald, diskutiert. Ergänzend wurde der Wunsch nach größerer rechtlicher Planungssicherheit für Agroforstsysteme sowie nach klaren Rahmenbedingungen für deren langfristige Nutzung und einen möglichen Rückbau geäußert.Auch wirtschaftliche Aspekte spielten eine zentrale Rolle. Für den erfolgreichen Aufbau von Nahwärmenetzen müssen frühzeitig geeignete Ankerkunden identifiziert werden, um eine verlässliche Wärmenachfrage sicherzustellen. Darüber hinaus wurde diskutiert, wie Kommunen die positiven Wirkungen von Agroforstsystemen – beispielsweise für den Erosionsschutz sowie den Hochwasser- und Starkregenvorsorge – stärker honorieren und entsprechende Anreizsysteme schaffen könnten.Insgesamt zeigte der Werkraum, dass der Aufbau regionaler Nahwärmenetze in Verbindung mit Agroforstsystemen ein hohes Potenzial für die regionale Energiewende bietet. Entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung sind jedoch eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Landwirtschaft, Wärmeabnehmern und weiteren regionalen Akteuren. Informationsangebote, klare Verantwortlichkeiten, praxisnahe Unterstützungsinstrumente sowie die frühzeitige Einbindung relevanter Partner bilden die wesentlichen Voraussetzungen, um entsprechende Projekte erfolgreich zu initiieren und langfristig zu etablieren.

Menschen
Der Werkraum Menschen richtete diesmal den Blick auf Kunst und Kultur als verbindende Ebene der Landschaftsentwicklung. Im Kontext des Kulturprojektes „Denk Dein Dorf … und darüber hinaus!“ und dem Sonderprogramm der Stiftung Zukunftsfonds Asse zur Stärkung der Regionalentwicklung durch künstlerische Projekte im Landkreis Wolfenbüttel können zusammen mit Künstlerinnen und Künstlern sowie regionalen Initiativen neue Formate entstehen, die Landschaft auch emotional, sinnlich und gemeinschaftlich erfahrbar machen und Menschen miteinander verbinden.

Wann?

Donnerstag 25.06.26, 9:00 - 17:00 Uhr

Wo?

DGH Ohrum, Zum Sportpl. 3, 38312 Ohrum

Hintergrund

Im Zuge des Klimawandels gilt es, das Anpassungspotential auf Landschaftsebene konkret gemeinsam anzugehen und eine ‘Klimalandschaft’ aufzubauen. Der Landkreis Wolfenbüttel möchte hier Modell- und Vorreiterregion werden und blickt auf eine bundesweit einzigartige Förderkulisse.

Die aktuelle wissenschaftliche Landschaftsanalyse zeigt die dringende Handlungsnotwendigkeit besonders im Bereich von Starkregenerosion. Erste Schritte sind mit der Förderrichtlinie Agroforst von der Zukunftsstiftung Asse und dem Projekt der Blauen Wabe bereits getan, erste LandwirtInnen gehen in die Planungen, die Behörden, Ämter und Verbände ziehen mit und zeigen sich sehr kooperativ - die Voraussetzungen sind gut, um mit der ganzen Region im Schulterschluss voranzugehen.  

Dein Kontakt zum Koordinations-Team

Ulrike Oemisch

Projektleitung
uoemisch@projecttogether.org

Viktor Reupke

Regionale Koordination
vreupke@projecttogether.org

Projektpartner​

Mit dieser und vielen weiteren Organisationen arbeiten wir zusammen:​

ProjectTogether
ist eine gemeinnützige Organisation, die gesellschaftliche Transformation vorantreibt. Sie koordiniert das Projekt Klimalandschaft Wolfenbüttel.

Aufbauende Landwirtschaft e.V.

bringt Fachwissen zur regenerativen Landwirtschaft ein, führt Schulungen durch und begleitet die Planung klimaresilienter Agroforstsysteme.

DeFAF e.V. (Deutscher Fachverband für Agroforstwirtschaft)

setzt sich für die Verbreitung von Agroforst in Deutschland ein, bietet Fachberatung an und entwickelt praxisnahe Schulungsmaterialien.

Landkreis Wolfenbüttel

treibt die regionale Klimaanpassung voran und unterstützt die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Verwaltung.

Wirtschaftsförderung Wolfenbüttel

fördert nachhaltige Wertschöpfungsketten, unterstützt Unternehmen bei der Nutzung regionaler Ressourcen und vernetzt Betriebe mit Landwirt*innen für neue Marktchancen.

Stiftung Zukunftsfond Asse

hat eine Förderung zur Pflanzung und Pflege von Agroforstsystemen im Landkreis Wolfenbüttel herausgegeben. Diese Förderung ist ergänzend und passend zum Projekt Klimalandschaft Wolfenbüttel.

Finanzierungs-partner

Dieses Projekt ist teil des Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz und wird gefördert vom Bundesministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz

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