Vision einer Klimalandschaft

Vision einer Klimalandschaft

Eine Klimalandschaft ist eine nachhaltig gestaltete Landschaft, die gezielt an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst wird. Sie integriert naturbasierte Maßnahmen (siehe Grafik) um Wasser zu speichern, Bodenfruchtbarkeit zu steigern und Biodiversität zu ­ fördern. Durch eine kluge Landnutzung entstehen widerstandsfähige Ökosysteme, die Extremwetter abmildern, Kohlenstoff im Boden speichern und gleichzeitig stabile Erträge für die Landwirtschaft erzeugen.

Maßnahmen

Hier sind einige exemplarische Maßnahmen dargestellt, die dabei helfen können, eine vielfältige und widerstandsfähige Klimalandschaft zu erschaffen.

Gräben oder kleine Rückhalte­ becken in Kombination mit Baumreihen fangen das Wasser bei Starkregen bereits in der Höhenlage auf und verteilen es gleichmäßig in der Fläche.

Begrünte Siedlungen sind ein ­ wesentlicher Aspekt der Klimakühlung in den stark überhitzten Asphaltwüsten

Mit Baumreihen entlang der Wasserleitlinie (Keyline-Design) können Nährstoffe und Wasser lange in der Landschaft gehalten werden.

Eine Auenlandschaft trägt wesentlich zur Klimastabilisierung bei, mit positiven Effekten für die Artenvielfalt.

Mobile Hühnerhaltung in Kombination mit Agroforst schafft eine Mehrnutzung auf gleicher Fläche und erhöht die Lebensqualität der Tiere.

Ackerflächen zwischen Agroforststreifen können problemlos mit Mähdreschern beerntet werden.

Mit der Integration von Tieren in die Landwirtschaft in rotierender Weidehaltung (Mob Grazing) kann die Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität gesteigert werden.

Konventionelle Drainagen können Über­ schwemmungen und Trockenstress verursachen. Rückstau-Drainagen regulieren Wasserflüsse unter der Boden-oberfläche, sichern so Erträge und unterstützen den Nitratabbau durch höhere Bodenwassergehalte.

Agroforstsysteme, die sich über mehrere Betriebe hinweg erstrecken – etwa Baumreihen zwischen Feldern verschiedener Landwirte – wirken sich positiv auf das Kleinklima in der Region aus, zum Beispiel indem sie Wind bremsen, Wassererosion vermindern und zur Kühlung über Verdunstung beitragen.

Kulturwehre regulieren Wasser­abflüsse in Entwässerungsgräben. So kann in Trockenzeiten Wasser in der Landschaft gehalten werden.

Untersaaten in Ackerpflanzen – zum Beispiel Klee im Getreidefeld – helfen dabei, den Boden fruchtbarer zu machen und Regenwasser besser aufzunehmen.

Waser

Wasser in der Landschaft halten

In einer Klimalandschaft geht es darum, Wasser möglichst langsam abfließen zu lassen und in Böden, Pflanzen und Kleingewässern zurückzuhalten und zu verteilen. Agroforstsysteme, als Kombination von Sträuchern, Bäumen und bewachsenem Saum, entwickeln humose, durchlässige Böden, die das Einsickern und Speichern von Regenwasser fördern und die Bodenerosion damit deutlich reduzieren. Durch Beschattung und Humusaufbau tragen sie zur natürlichen Wasserspeicherung und Kühlung bei.

Agroforstsysteme stabilisieren den Wasserhaushalt der Landschaft langfristig, indem sie Wasser verdunsten, damit lokale Abkühlung fördern und den kleinen Wasserkreislauf - lokale und regionale Wolkenbildung und Niederschlag - stärken. So kann Regen dort bleiben, wo er fällt – und das Grundwasser wird wieder aufgefüllt.

Boden

Boden schützen, Boden aufbauen

Der Boden ist das Fundament jeder Klimalandschaft – und vielerorts akut bedroht. Wind und Starkregen tragen ihn ab, durch Verdichtung und Humusabbau gehen jedes Jahr fruchtbare Zentimeter verloren, intensive landwirtschaftliche Arbeitsweisen haben die Bodenstruktur in vielen Regionen geschwächt.

Agroforstsysteme helfen, Böden zu schützen und wieder aufzubauen: Ihre Gehölze schützen vor Wind und stabilisieren den Boden, indem sie das Bodenleben fördern, Kohlenstoff binden und durch Laubfall und Wurzeleintrag neue organische Substanz einbringen.

So entsteht wieder ein lebendiger, fruchtbarer Boden, der Wasser speichert, Nährstoffe verfügbar macht und unsere Kulturlandschaft widerstandsfähiger gegen Klimastress macht.

Pflanzen

Vielfalt wachsen lassen – Pflanzen in der Klimalandschaft

In einer Klimalandschaft sind Pflanzen mehr als Ertrag - sie kühlen die Luft, speichern Wasser und Nährstoffe, schützen den Boden und stärken die Artenvielfalt. Agroforstsysteme verbinden klassische Ackerkulturen mit mehrjährigen Gehölzen: zwischen Streifen- oder Randpflanzungen mit Bäumen, Sträuchern, Werthölzern, Nüssen oder Obst wird der Anbau von Feldkulturen fortgesetzt – und wird ergänzt durch Windschutz, verbessertes Mikroklima und neue Lebensräume für Nützlinge, Vögel und Bodenorganismen. Agroforst, auch kombiniert mit Dauergrünland oder Tierhaltung, bringt Strukturvielfalt in die Fläche und erhöht die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Systeme gegenüber Trockenheit, Erosion und Extremwetter.

Pflanzen werden so zu einem Schlüssel für eine fruchtbare, ertragreiche, klimastabile Landschaft – und zu einem Werkzeug für mehr Zukunftsfähigkeit in unserer Landwirtschaft.

Tiere

Tiere brauchen Landschaft – und Landschaft braucht Tiere

In einer Klimalandschaft wird Tierhaltung wieder Teil des Ganzen. Agroforstsysteme schaffen Schatten, Windschutz und Futter für Rinder, Schafe, Hühner oder Schweine – z. B. in silvopastoralen Systemen, bei denen Bäume und Weidetiere auf derselben Fläche gemeinsam genutzt werden. Auch das Tierwohl profitiert: Schatten, Auslauf, Abwechslung und Schutz vor Wetterextremen verbessern sowohl die Lebensbedingungen als auch die Tierleistung von Weidetieren deutlich. Auch das Ernten von Futterlaub ist wieder im Kommen und bereitet die Flächen besser auf den Klimawandel vor.

Zugleich entstehen mit Hecken, Baumstreifen und extensiv genutzten Bereichen neue Lebensräume für Insekten, Vögel, Amphibien und Wildtiere. Agroforst verbindet Tierhaltung, Naturschutz und Landwirtschaft auf eine Weise, die Vielfalt erhält und Klimaresilienz fördert. Denn Tiere spielen eine zentrale Rolle im Nährstoffkreislauf – und sind Teil lebendiger, gesunder Kulturlandschaften.

Wertschöpfung

Regional, regenerativ, rentabel: Wertschöpfung in der Klimalandschaft

Eine Klimalandschaft wirkt auch stabilisierend, indem sie wirtschaftlich tragfähig ist und krisensichere regionale Kreisläufe aufbaut. Agroforstsysteme können hier neue Perspektiven schaffen: Sie liefern nicht nur Feldfrüchte, sondern auch z.B. Wertholz, Obst, Futterlaub oder Holzhackschnitzel, mitunter sogar kombiniert mit Tierhaltung – und machen so mehrfache Wertschöpfung auf derselben Fläche möglich.

Mit regionaler Verarbeitung, Direktvermarktung, Nahwärme, Regiolabels oder Handwerk entstehen neue starke Wirtschaftskreisläufe vor Ort. Wir bauen professionelle Wertschöpfungsgemeinschaften mit Landwirtschaft, Handel, Gastronomie, Handwerk, Energie, Kommunen und Zivilgesellschaft auf und arbeiten zusammen an einer ökologischen Bioökonomie der Zukunft.

So wird aus einer klugen Landnutzung auch ein regeneratives Wirtschaftssystem - mit Wurzeln in der Region.

Menschen

Mensch und Landschaft – eine Allianz für die Zukunft

Klimalandschaften entstehen nicht von allein – sie brauchen Menschen, die sie gestalten, begleiten und pflegen. Damit aus guten Ideen langfristige Strukturen werden, braucht es lokale Kümmerer, stabile Netzwerke und eine gute Koordination. Denn eine resiliente Landschaft ist immer auch ein soziales Gemeinschaftswerk.

In Workshops, Foren und Mitmach-Formaten entsteht Wissen, das vor Ort bleibt und weitergegeben wird. Lokale Akteur:innen entwickeln gemeinsam Lösungen – unterstützt durch Moderation, Projektkoordination, fachliche Begleitung und eine klare Aufgabenverteilung. So wird aus vielen Einzelnen ein gemeinsames Handeln – mit Haltung, Kompetenz und Begeisterung.

Die Klimalandschaft Wolfenbüttel lädt dazu ein, selbst aktiv zu werden. Denn eine der wichtigste Ressourcen einer lebendigen Landschaft sind die Menschen, die sich für sie einsetzen.

Tiefes Verständnis zur Klimalandschaft

Das Konzept der Klimalandschaft erklärt vom Projektpartner Stefan Schwarzer vom Verein Aufbauende Landwirtschaft

Dein Kontakt zum Koordinations-Team

Ulrike Oemisch

Projektleitung
uoemisch@projecttogether.org

Viktor Reupke

Regionale Koordination
vreupke@projecttogether.org

Visualisierung

Grafische Ausarbeitung der Vision zur Klimalandschaft erfolgte durch Sebastian Vollmar. Er ist unter anderem bekannt durch seine Arbeit am Buch Zukunftsbilder 2045.

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